Ausstellungen

«Antike im Kino»

Auf dem Weg zu einer Kulturgeschichte des Antikefilms

Kolloquium 20.–22. September 2005, Castelen/Augst bei Basel

Gibt es eine neue Konjunktur des Antikefilms? Der Publikumserfolg von Ridley Scotts Gladiator (USA, 2000) scheint das Interesse der Filmindustrie an Geschichten, die in der griechisch-römischen Antike situiert sind, erneut geweckt zu haben. Die Antike scheint zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder so populär geworden, dass sie erfolgreich kommerziell vermarktet werden kann. Doch – ist es die Antike, die populär ist? Populär sind zunächst die Filme, die mit Abenteuer und monumentalem Spektakel, mit männlichen Muskeln und weiblichen Dekolletees locken. Es sind einfache Geschichten, die die «Sandalenfilme» erzählen: tapfere Sklaven kämpfen für Gerechtigkeit gegen im Luxus schwelgende Ausbeuter, geniale Feldherren und Krieger erringen Sieg um Sieg und müssen sich zugleich gegen korrupte Politiker wehren, abgebrühte Römer erliegen dem Charme einer fremden Königin – die Figuren sind stereotyp, märchenhaft situiert in einer orientalisch-exotischen, fernen Vergangenheit. Und diese Geschichten scheinen heute ihr Publikum zu finden genauso wie in den zwei vorangehenden Epochen des Antikefilms vor hundert und vor fünfzig Jahren.

Die Zielsetzung des Kolloquiums ist es, SpezialistInnen der Film- und Bildwissenschaften, der Antikenrezeption und der Kultur- und Diskursgeschichte des 20. Jh. zusammenzuführen, um die Frage nach einer kulturgeschichtlichen Situierung des Antikefilms in seinen drei Epochen zu untersuchen: Welche diskursiven Beziehungen verbinden die Antikefilme mit dem Antikebild ihrer Zeit, mit den sozio-politischen Produktionsbedingungen, den filmtechnischen Möglichkeiten, dem Interessen der Filmindustrie, der Ästhetik der Populärkultur, den Erwartungshorizonten des Publikums? Das Kolloquium will sich einer Geschichte des Antikefilms als kulturellem Phänomen annähern und damit den Versuch unternehmen, eine Grundlage zur Auseinandersetzung mit der Aktualität einer neuen Welle von laufenden Bildern zu schaffen, deren Helden leicht geschürzte Männer auf Sandalen sind.

Die Zielsetzungen des Kolloquiums

Die Zusammenhänge zwischen der Produktion von Antikefilmen und den kulturellen Bedingungen ihrer jeweiligen Epoche sollen im Gespräch zwischen Filmwissenschaft und Altertumswissenschaft unter folgenden Aspekten zur Diskussion gestellt werden:

  1. Bilder der Antike und Bilder der Gegenwart
    Welche Beziehungen lassen sich erkennen zwischen der Konstruktion einer bestimmten Ikonographie der Antike und kulturellen Diskursen der drei genannten Epochen?
  2. Historische Situation und Populärkultur
    In welchem Verhältnis stehen gesellschaftliche und politische Situationen und Entwicklungen – insbesondere in Italien und den USA, den hauptsächlichen Produktionsländern der Antikefilme – zu den in der antike situierten Monumentalfilmen? Bedienen die Antikefilme eine spezifische Situation der Populärkulturen und die entsprechenden Erwartungshorizonte eines breiten Publikums?
  3. Körperlichkeiten und Geschlechterdiskurse
    Lassen sich Relationen herstellen zwischen den Freiräumen von exotischer Erotik in den Antikefilmen und den Geschlechterdiskursen zu Beginn, in der Mitte und am Ende des 20. Jahrhunderts?
  4. Kino, Technik und Filmindustrie
    In welcher Interaktion stehen Kino als kulturelles Phänomen, die technisch-ästhetischen Möglichkeiten des Films und die Gattung Antikefilm? Welche Bedeutung haben die Antikefilme für die wechselnden ökonomischen Interessen der Filmindustrie?
  5. Methode und Theorie
    Lässt sich eine Geschichte des Antikefilms schreiben? Auf der Seite der Produktion und des kulturwissenschaftlichen Kontextes lassen sich Dokumente finden; die Filme selbst sind die Materialien für text-, film- und motivanalytische Fragestellungen sowie ikonographische Untersuchungen. Doch ist dies nicht nur die halbe Geschichte? Gibt es methodische Ansätze, die versuchen, die populäre Rezeption der Antikefilme auch für die erste und zweite Epoche zu erfassen. Ist dies überhaupt möglich? Oder wird vielleicht die aktuelle Phase dazu benutzt, Daten zu einer Pragmatik des Antikefilms zu sichern und Untersuchungen zum Publikum der Monumentalfilme in die Wege zu leiten?

Die Akten des Kolloquiums sind im Ausstellungskatalog enthalten. Dessen Inhaltsverzeichnis und einige Textpassagen finden Sie in der Leseprobe.