Ausstellungen

BASILEA – Die unbekannte Stadtgöttin

Sonderausstellung vom 23. Mai 2001 bis 04. November 2001

Die Ausstellung kam also einer wahren archäologischen Wiederentdeckung gleich. Sie führte zugängliche wie verborgene, wenig bekannte wie gänzlich unbekannte Denkmäler zusammen: Skulpturen und Gemälde, Stiche und Medaillen, Möbelschnitzereien und Glasfenster, Fasnachtslaternen und Festspielprogramme. Diese erstmals vereinten Dokumente riefen die «Stadtgöttin» Basilea nicht nur wieder in Erinnerung, sondern erschlossen ihre Bedeutung und Entwicklung in den letzten 350 Jahren und legten ihre – weit über den ikonographischen Bereich hinausgehenden – Verbindungen zur Antike offen.

Plakat mit Basilea
Abbildung 1: Plakat zur Basler Gedenkfeier.

Denn die Antike ist ausgesprochen reich an allegorischen Gestalten. Besonders zahlreich waren Stadtpersonifikationen in der Gestalt der Glücksgöttin Tyche/Fortuna, die seit dem Hellenismus im festgeprägten Schema der Stadt-Tyche mit Mauerkrone und Füllhorn im ganzen Mittelmeerraum Verbreitung fand und auf die meisten vergleichbaren modernen Stadtpersonifikationen einwirkte.

Die Ausstellung warf auch einige Streiflichter auf entsprechende allegorische Darstellungen aus der übrigen Schweiz und anderen europäischen Ländern, beleuchtet die vorreformatorische Vorreiterrolle der Stadt- und Münsterpatronin Maria und erhellt die Gründe für das Verschwinden der Basilea im fortgeschrittenen 20. Jh.

Passend zum 500-Jahr-Jubiläum des Eintritts des Kantons Basel in die Eidgenossenschaft präsentierte die Skulpturhalle für einmal eine Sonderschau über ein baslerisches Thema. Im Zentrum der Ausstellung stand Basilea, die Personifikation der Stadt Basel, die – meist in Form einer antikisierenden Frauengestalt – vom 17. bis zum 19. Jh. an zahlreichen Anlässen oder auf Dokumenten und Kunstwerken mit städtischem Bezug in Erscheinung trat.

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verlor diese in ganz Europa selbstverständliche Form der Stadtverkörperung jedoch ihren Repräsentationsanspruch immer mehr und verkam vor ihrem endgültigen Verschwinden zur reinen Karikatur und Fasnachtsfigur. Sowohl die Abkehr vom Klassizismus wie auch die gewandelte Stellung der Frau, die der weiblichen Bevölkerung mehr Rechte und Einflussnahme in öffentlich-politischen Handlungsräumen zugestand, liessen antikische weibliche Allegorien im 20. Jh. obsolet erscheinen.

Heute ist Basilea kaum mehr bekannt, die Darstellungen der vergangenen Jahrhunderte sind der öffentlichen Wahrnehmung fast gänzlich entschwunden, die entsprechenden Bilddokumente in die tiefen Kulturschichten musealer Depots und Archive abgesunken.

Zur Ausstellung erschien im Schwabe Verlag eine ausführliche und facettenreiche Begleitpublikation. Sie stellt nicht nur die überlieferten Basilea-Denkmäler zusammen, sondern weitet das Thema und das Blickfeld auch auf Helvetia und vergleichbare Allegorien aus Europa sowie auf antike Darstellungen aus. Der Katalog ist an der Museumskasse erhältlich oder im Shop der Skulpturhalle zu bestellen.