«Von Harmonie und Mass» – Antike Monumente in den Architekturlehrbüchern des 16. bis 19. Jahrhunderts
Sonderausstellung vom 08. September bis 29. November 2009
Seit der italienischen Renaissance war das Studium antiker Bauwerke die vornehmste Pflicht aller Baumeister und Architekturtheoretiker. Römische und griechische Bauwerke wie das Pantheon, das Kolosseum, der Konstantinsbogen oder die Akropolisbauten in Athen galten als Inbegriff fürs richtige Mass und harmonische Proportionen. Die an den antiken Bauten studierten Ordnungen und Gesetze prägten die Architektur bis zum Beginn der Moderne.

Abb. 1: Die fünf Säulenordnungen. Aus: Sebastiano Serlio, Von der Architectur fünff Bücher. Basel 1608 (Universitätsbibliothek Basel)
Daneben spielte für die Architekten und Architekturtheoretiker auch ein Buch eine zentrale Rolle: Das im 1. Jh. v. Chr. verfasste zehnbändige Werk De Architectura des römischen Architekten Vitruv – das einzige Lehrbuch dieser Art, das aus der Antike überliefert ist. Einzelne namhafte Architekten von der Renaissance bis zum Klassizismus wie etwa Andrea Palladio oder Gottfried Semper haben – vom Vitruv inspiriert und beeinflusst – selbst eigene Lehrbücher herausgegeben.

Abb. 2: Giebel eines dorischen Tempels. Aus der Vitruvausgabe Venedig 1511. Exemplar aus dem Amerbachkabinett (Universitätsbibliothek Basel)
Die Ausstellung in der Skulpturhalle präsentiert eine erlesene Auswahl von solch reich illustrierten Architekturlehrbüchern des 16. bis 19. Jahrhunderts, sowie ausgesuchte frühe Vitruvausgaben. Es sind Leihgaben der Universitätsbibliotheken in Basel, Bern und Zürich sowie der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln.

Abb. 3: Konstantinsbogen in Rom. Korkmodell von Antonio Chichi, Rom um 1782 (Hessisches Landesmuseum in Darmstadt)
Architektonische Korkmodelle aus dem 18. Jahrhundert, die das Hessische Landesmuseum Darmstadt sowie das Lindenau-Museum Altenburg für die Sonderausstellung zur Verfügung stellen, machen die als vorbildlich geltenden antiken Bauwerke auch in der dritten Dimension fassbar. Auch die museumseigenen Modelle der Akropolisbauten kommen so neu zur Geltung.

Abb. 4: Farbstudie zum Aphaia-Tempel auf Ägina. Aus: Charles Garnier, Temple du Jupiter Panhellénien, Paris 1884 (Bibliothek Werner Oechslin)
Die Ausstellung wurde von der Kunsthistorikerin Elke Seibert und einer Gruppe von jungen Nachwuchsforschern und Studierenden aus Heidelberg kuratiert und in Zusammenarbeit mit der Skulpturhalle und der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin realisiert. Wir danken herzlich für ihr Engagement: Verena Fabrizi, Christine Follmann, Vanessa Funk, Aylin Genc, Sirit Gossel, Gesine Henze, Johanna Kreis, Thomas Steinruck und Katharina Weiler.
«Von Harmonie und Mass» vereint seltene Preziosen der Rezeptionsgeschichte antiker Baukunst, die ausserhalb verschlossener Kabinettsammlungen ansonsten kaum je bewundert werden können.
Vernissage: Dienstag, 08. September 2009, 18.00 Uhr
Von Harmonie und Mass. Antike Monumente in den Architekturlehrbüchern des 16. bis 19. Jahrhunderts, herausgegeben von E. Seibert, Skulpturhalle Basel und Mattes Verlag Heidelberg, 2009 (ca. 140 Seiten mit ca. 130 Abb., ISBN 978-3-86809-027-7). An der Museumskasse erhältlich. (Leseprobe)
Rahmenprogramm zur Sonderausstellung
Vernissage der Sonderausstellung
Dienstag, 08. September 2009, 18.00 Uhr
Mittagsführung durch die Ausstellung «Von Harmonie und Mass»
Mittwoch, 16. September 2009, 12.30 Uhr
«Die Klimalehre des Vitruv»
Vortrag von Prof. Dr. Heiner Knell (Universität Darmstadt)
Mittwoch, 14. Oktober 2009, 18.15 Uhr
Mittagsführung durch die Ausstellung «Von Harmonie und Mass»
Dienstag, 20. Oktober 2009, 12.30 Uhr
«Von der Zeichnung in die dritte Dimension – Über Abgüsse von Architekturteilen»
Vortrag von Dr. Tomas Lochman (Skulpturhalle Basel)
Donnerstag, 22. Oktober 2009, 18.15 Uhr
«Der Architekt Gottfried Semper und seine Beiträge zur Archäologie»
Vortrag von Dr. Elke Seibert (Universität Heidelberg)
Mittwoch, 04. November 2009, 18.15 Uhr
Letzte Führung durch die Ausstellung «Von Harmonie und Mass»
Donnerstag, 26. November 2009, 18.00 Uhr
© Skulpturhalle Basel 2010 (barmasse.org)
