Ausstellungen

A la recherche du temple perdu
Floriane Tissières, Werke 1990–1996

Sonderausstellung vom 27. August 1996 bis 27. Oktober 1999

Welche anderen Räumlichkeiten hätten ein noch besseres Umfeld für Floriane Tissières faszinierende Säulen und Tempel-Gemälde hergeben können, als die der Skulpturhalle? Zwischen den Skulpturen und Tempelmodellen der reichhaltigen Basler Abguss-Sammlung genossen die Gemälde gutnachbarliches Gastrecht, wie es ein neutraler Ausstellungsraum nicht ermöglichen kann. In diesem Ambiente gab die Künstlerin einen Einblick in ihr Schaffen der letzten sechs Jahre.

Floriane Tissières: Sans titre, 1990 (Acryl auf Collage). Photo: Hans Stieger
Abbildung 1: Floriane Tissières: Sans titre, 1990 (Acryl auf Collage) (Photo: Hans Stieger).

Mit der Antike, der die Skulpturhalle als Aussenstelle des renommierten Basler Antikenmuseums und Sammlung Ludwig verpflichtet ist, haben Floriane Tissières Werke viel zu tun, doch nicht ausschliesslich; die Künstlerin hat die ganze Kulturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart im Visier, sind doch ihre Säulengebilde mit Bildfragmenten von bekannten und vertrauten Kulturerzeugnissen aus der ganzen Zeitspanne der abendländischen Kunstgeschichte durchzogen.

Der flüchtige Betrachter mag die Tempel in ihrer Erscheinung als exakte Abbilder griechischer Bauwerke auffassen, doch wirkliche Tempel sind Floriane Tissières Monumente beileibe nicht: Sie sind vielmehr die Ergebnisse einer erinnernden Wahrnehmung, denn die Malerin schöpft nicht aus exakten Vorlagen. Ebenso sind die Abgüsse und Modelle der Skulpturhalle – zwar detail- und massstabsgetreue Kopien bzw. Modelle nach authentischen, z. T. mittlerweile verlorengegangenen Originalen – auch keine echten Skulpturen und Tempel. Sowohl der Sammlungsbestand des Museums, wie auch das Tempelgut der Künstlerin sind «Erinnerungs-Male» einer vergangenen Epoche, die nur noch eine Kette bruchstückhafter Einnerungen mit unserer Zeit verbindet.

Floriane Tissières füllt diese Lücke, indem sie ihre Werke mit Bildfragmenten, Erinnerungsstücken gleich, auffüllt. Sie dokumentiert so die Problematik der überlieferung und Erinnerung. Mit dieser ist auch der Archäologe konfrontiert, wenn es gilt, aus vorhandenen, übriggebliebenen Malen das verlorengegangene Ganze zu erschliessen. Insofern war es ein glücklicher Umstand, Floriane Tissières Werke in einer Antikensammlung zu zeigen.