Ausstellungen

TRANSARCADIA – revisited

Sonderausstellung vom 16. Februar 2000 bis 30. Mai 2000

Unter thematischem Bezug zum Zerrbild «Arkadien» und vor der Kulisse der Abgüsse griechischer Statuen und Tempelmodelle waren vom 16. Februar bis 30. April in der Skulpturhalle Werke von sechs zeitgenössischen Künstlern zu sehen. Damit setzte die Skulpturhalle ihren Weg fort, das griechisch-römische Altertum und die Gegenwartskunst in einen offenen Dialog treten zu lassen. Die berühmte Basler Abguss-Sammlung wurde damit erneut und einmal mehr zum Ort der «Zeitlosigkeit».

Transarcadia revisited: Apollon, SH 1092, Erwin Gross, Urbino, 1997
Abbildung 1: Transarcadia revisited: Apollon, SH 1092, Erwin Gross, Urbino, 1997.

Noch immer beherrscht die Vorstellung vom einfachen Leben in einer südlich-antikischen Landschaft manchen romantischen Traum von einem «anderen» Dasein. Weder die Skepsis gegenüber Pseudo-ökologisierung der westlichen Hemisphäre noch der globale Anspruch auf Ressourcen schrecken davon ab, dem Traum von der «besten aller möglichen Welten» wehmütig nachzuhängen.

Transarcadia – revisited präsentierte mögliche zeitgenössische Modifikationen einer utopischen Projektion, die seit der Renaissance immer wieder neu entworfen werden will und mit Wahlsprüchen wie «Et in arcadia ego» bei Nicolas Poussin einen ersten Weltfluchtgipfel erreichte. Inzwischen erträumen sich Zivilisationsgeschädigte aber nicht nur mystische Momente einer ganzheitlichen Erfahrung, sondern rücken der glücksversprechenden Einheit von beseelter Natur, «edler Einfalt und stiller Grösse» physisch nahe. – Inseln im «Mare nostrum» werden einfach gekauft.

Die «unberührte» Natur – ebenso wie Relikte historischer Zeit – werden bewundert, verehrt und mit neuem Leben erfüllt; moderne Versuche dem Hauch einer glückseligen Ewigkeit nachzuspüren und die vage Sehnsucht zu stillen... Dieser Drang «den alten Göttern zu» liess schon im bildungswütigen 18. Jahrhundert den «Gross-Griechenland-Enthusiasmus» entstehen, als dessen prominenteste Opfer Goethe und Winckelmann gelten dürfen. So richtig mit Wucht und jenseits klassizistischer Bemühungen setzte das Chioggia-Fieber in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts ein, als die Reise in den sonnigen Süden zum soziologischen Massenphänomen avancierte. Die rezenten Bettenburgen der Mittelmeerküsten sind heute selbst schon wieder Legende und der «Outdoor-Fun-breaker-Tourist» der 90er Jahre hat für die Club-Med-Sektion der Urlaubsparadiese nur noch ein müdes Lächeln übrig. Die permanent irgendwo auf dem Heimatplaneten veranstaltete Camel Trophy sorgt für die überdosis Fernweh und den Geschmack der weiten Welt. Placebos und Surrogate für das echte Gefühl.