Der Parthenon in Basel
Der Fries
Die Längswände der Cella sowie die Architrav der inneren Säulenreihen an den Schmalseiten waren unterhalb der Kassettendecke mit insgesamt einem 160 m langen Fries verziert, in dem der alle vier Jahre stattfindende Panathenäenzug dargestellt ist. Es handelte sich dabei um eine Prozession, die in der symbolischen Darbringung eines neuen Gewandes für das Kultbild der Athena gipfelte.
Abbildung 1: Zentrale Szene auf der Ostseite des Parthenon.
Betrat der antike Betrachter die Akropolis durch die Propyläen sah er vom Parthenon zunächst die Rückseite (Westseite). Hier am Westfries fängt denn auch die Darstellung des Frieses an und zwar rechts, an der Südwestecke der Cellamauer. Der Westfries muss folglich, ebenso wie der Nordfries, von rechts nach links «gelesen» werden, der Südfries fliesst in der Erzählrichtung hingegen von links nach rechts. Beide Langfriese sind quasi parallel zu lesen und beide hier dargestellten Prozessionen finden an der Ostseite ihre Fortsetzung, wo beide Erzählströme gleichzeitig von den Seiten zur Mitte, und damit zum Abschluss und Höhepunkt führen.
Die Westseite und die westlichen Enden der beiden Langseiten sind einem mächtigen Reiterzug und dem sogenannten Apobaten-Rennen gewidmet. Bei diesem Rennen handelt es sich um eine sowohl zur Prozession wie auch zu den Panathenäischen Spielen gehörende Handlung. Die neben dem Wagenlenker stehenden Krieger mussten aus dem Wagen ab- und aufspringen, wobei sie dazwischen eine bestimmte Strecke lang rennen mussten. Auf das beschriebene Rennen folgt jeweils eine Gruppe älterer Männer, denen Musiker vorausgehen. Die sakrale Bedeutung des Festzuges wird durch die Opferrituale verdeutlicht, die in der östlichen Hälfte der Langseiten vorbereitet werden. Junge Prozessionsteilnehmer tragen mit Purifikationswasser gefüllte Krüge sowie Körbe voller Opferkuchen. Opfertiere (Rinder und Schafe) werden ebenfalls zu den Altären geführt.
Abbildung 2: Detail der zentralen Szene auf der Ostseite des Parthenon.
Der Höhepunkt der gesamten Zeremonie wird – wie bereits erwähnt – in der Mitte der Ostseite gezeigt: ein Jüngling und ein bärtiger Mann falten das für Athena gewobene Gewand zusammen. Die Weihung des Gewandes geschieht in Anwesenheit der zwölf Hauptgötter des griechischen Pantheons, die sitzend zu beiden Seiten des Priesters dargestellt werden. Hinter ihnen stehen zehn bärtige Männer, die mit den namengebenden Heroen der athenischen Stämme zu identifizieren sind.
Die flachen Reliefs des Frieses waren einst reich bemalt, so dass die einzelnen Figuren deutlich voneinander zu unterscheiden waren. Diese für die griechische Kunst übliche Lösung hatte im Fall des Parthenonfrieses auch einen praktischen Zweck: die knapp ein Meter hohen Platten waren oberhalb des Architravs angebracht, so dass sie nur von einer erheblichen Entfernung aus betrachtet werden konnten. Die halbdunkeln Lichtverhältnisse innerhalb der Säulenhalle erschwerten außerdem die Wahrnehmung der detailreichen Prozessionsteilnehmer erheblich.
Abbildung 3: Der Fries in der Skulpturhalle.
Für die Rekonstruktion des Friesablaufes sind die im ausgehenden 17. Jahrhundert von Carrey angefertigten Zeichnungen von grosser Bedeutung. Der flämische Künstler konnte die Gesamtheit der Platten vor der Explosion von 1687 skizzieren, als ihr Erhaltungszustand noch weitgehend optimal war. Nur einzelne Platten des Südfrieses existierten damals nicht mehr, weil sie bei der Umfunktionierung des Tempels in eine Kirche im Mittelalter für Fensteröffnungen herausgebrochen worden waren. Dank Carreys Zeichnungen können die einzelnen Fragmente richtig positioniert werden und Fehlendes ergänzt werden.
Die erhaltenen Platten sowie die einzelnen Fragmente befinden sich heute in verschiedenen Museen, vor allem in Athen, London und Paris. Die vollständige Rekonstruktion des Friesablaufes, wie sie hier ausgestellt wird, ist somit nur anhand von Gipsabgüssen möglich. Als Beispiel für die zahlreichen, zum Teil Bruch an Bruch anpassenden von Fragmenten gelungenen Zusammenführungen kann besonders schön ein Ausschnitt vom Ostfries veranschaulichen mit den Göttinnen Artemis, Aphrodite und dem kleinen Eros. Die Figur des Eros ist im Original nicht erhalten, aber danke einem Abguss von Fauvel aus dem 18. Jh. überliefert. Der nach diesem in Paris aufbewahrten Gipsabguss geformte Zweitabguss ist mit Abgüssen eines Fragmentes in Palermo sowie weitern Fragmenten im Akropolismuseum wieder in seinen ursprünglichen Zusammenhang eingefügt.
© Skulpturhalle Basel 2008 (barmasse.org)
