Der Parthenon in Basel
Die Goldelfenbein-Statue
Der Athener Parthenon war der Stadtgöttin Athena geweiht und diente hauptsächlich der Unterbringung ihrer kolossalen Kultstatue. Die geläufige Bezeichnung des Tempels als «Parthenon» leitet sich denn auch aus dem Beinamen der Göttin, parthenos (griechisch: «Jungfrau)», ab. Das Standbild war genau so kostspielig wie der Tempel selbst. Es wurde vom athenischen Bildhauer Phidias geschaffen, dem auch die künstlerische Leitung des gesamten Bauprojekts oblag. Die kolossale Statue, die laut Plinius dem Älteren eine Höhe von rund 11,5 m erreichte, war aus Gold und Elfenbein gearbeitet. Solche «chryselephantine» Statuen galten in der Antike als besonders kostbar. Allerdings bestand die Statue nicht aus vollem Gold sondern nur aus dünnen, getriebenen Goldblechen, die an ein Holzgerüst montiert waren. Die Goldbleche ergaben die Gewandpartien der Göttin, während die blossen Körperteile aus Elfenbein bestanden. Vollendet und geweiht wurde die Kultstatue im Jahre 439/38 v. Chr.
Abbildung 1: Umzeichnung der Cella des Parthenons mit Kultbild
Die in der Antike hochgerühmte Statue wurde vermutlich in spätrömischer Zeit nach Konstantinopel verschleppt, wo sie später spurlos verschwand. Dank den verschiedenen Beschreibungen durch die antiken Autoren und einzelnen verkleinerten römischen Kopien (bzw. Zitaten) kann ihr ursprüngliches Aussehen jedoch relativ genau rekonstruiert werden. Die Göttin stand aufrecht da, mit der Linken den Schild haltend und auf der rechten Hand die kleine geflügelte Figur der Siegesgöttin Nike tragend. Ihre Kleidung besteht aus der für sie üblichen Tracht, einem Peplos und einem Brustfell, der sogenannten Ägis, die mit Schlangen umsäumt war und in der Mitte den Kopf der Gorgo trug. Zur Ausrüstung der Göttin gehören auch ihre Waffen (neben Schild auch Helm und Speer). Die einzelnen Trachtelemente waren ihrerseits reich verziert. Die Aussenseite des Schildes stellte im Relief die Zweikämpfe zwischen Griechen und Amazonen dar, wobei Phidias bei zwei Kämpfern Perikles und sich selbst porträtiert haben soll. Die Ränder der Sandalensohlen waren dem Krieg zwischen Griechen und Kentauren gewidmet. Dieses Themenrepertoire gehörte auch zum Verzierungsprogramm der Bauplastik. Die Statuenbasis war dagegen mit der Geburt der Pandora verziert. Der Helm trug Sphingen- und Greifenfiguren.
Abbildung 2: Rekonstruktion des Kultbildes der Athena Parthenos
Obwohl man die Parthenos-Statue allgemein als Kultstatue bezeichnet, fand im Parthenon kein eigentlicher Kult und Athenaverehrung statt wie noch im «Vorparthenon». Dieser wurde im nebenan stehenden Erechtheion praktiziert. Die Peplos-Übergabe – Höhepunkt des Panathenäischen Festzuges und zentrale Szene auf dem Ostfries – die der symbolischen Einkleidung der Göttin diente, bezog sich ausserdem nicht auf die Athenastatue im Parthenon, sondern auf das alte, im Erechteion aufbewahrte Kultbild. Der Parthenon war somit ein «Tempel ohne Kult», der keinen eigenen Altar für die Durchführung der heiligen Rituale besass; vielmehr diente der Athenatempel als städtisches Repräsentationsdenkmal und Schatzkammer Athens.
© Skulpturhalle Basel 2010 (barmasse.org)
