Der Parthenon in Basel
Die Metopen
Als «Metopen» werden die rechteckigen Platten bezeichnet, die unterhalb des Gesimses griechischer Gebäude angebracht waren. Entwickelt haben sie sich aus einfachen Holzplatten, welche die Leerräume zwischen den Holzbalken des Dachstuhls abdeckten. Unterteilt werden die Metopen von dreigeteilten Zwischenplatten, den Triglyphen, die ihrerseits die ursprüngliche Funktion hatten, die Enden der Holzbalken zu verkleiden. Die Metopen-Triglyphen-Reihen sind ein prägender Bestandteil der dorischen Bauordnung. Der Parthenon besass insgesamt 92 Metopen: jeweils 14 an den Front- und 32 an den Langseiten. Die Besonderheit des Parthenons ist, dass sämtliche Metopen mit Hochreliefs verziert sind. Das übergeordnete Thema sämtlicher Metopenszenen sind Kämpfe der Griechen gegen ihre mythischen wie realen Feinde, wodurch einerseits die Überlegenheit der griechischen Kultur hervorgehoben, andererseits aber auch die damalige politische Lage Athens als Folge der mythischen Vergangenheit und Identität zelebriert wird. Dabei war jede Tempelseite einem eigenen Thema gewidmet:
Abbildung 1: Detail der Metopen am Basler Parthenon-Modell.
Die Ostmetopen (also diejenigen von der Hauptseite des Gebäudes) waren mit Kampfszenen zwischen Göttern und Giganten geschmückt. Die Giganten hatten versucht, den Olymp zu erobern. Aus diesem Grund wurden sie von den Göttern angegriffen und vernichtend geschlagen.
Die Westmetopen sind dem Amazonenkampf gewidmet. Die Amazonen waren ein sagenhaftes Volk tapferer Kämpferinnen mit matriarchaler Gesellschaftsordnung. Gemäss griechischen Sagenerzählungen lebten die Amazonen im Osten von Griechenland und lieferten sich mit den griechischen Helden immer wieder erbitterte Kämpfe. Die siegreichen Kämpfe über die Amazonen können als mythische Parallele zu den tatsächlichen militärischen Erfolgen über die Perser gedeutet werden. Am Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. versuchte dieses Volk aus dem Osten die griechischen Stadtstaaten zu unterwerfen, konnte aber von den Griechen dank den Siegen von Marathon und Salamis zurückgeschlagen werden.
Die Nordmetopen stellen Episoden aus den trojanischen Epen dar. Die Zerstörung dieser kleinasiatischen Stadt durch die Griechen war ein wichtiger Bereich aus dem Themenrepertoire der damaligen Künstler. Die Taten der griechischen Helden, welche in den homerischen Gedichten verewigt wurden, besassen ausserdem eine starke erzieherische Bedeutung.
Abbildung 2: Die Metopen in der Skulpturhalle.
Der Kampf zwischen der griechischen Zivilisation und den barbarischen, naturgebundenen Kräften wird auch in den Südmetopen thematisiert. Die Griechen kämpfen hier gegen die Kentauren, Mischwesen mit einem Pferdeleib und einem menschlichen Kopf. Zu diesen Kämpfen kam es, als sich die Kentauren anlässlich der Hochzeit des Peirithoos, des thessalischen Fürsten des Volkes der Lapithen, an deren Frauen vergehen wollten. Die siegreichen Lapithen konnten jedoch die Kentauren abwehren.
Alle vier Metopenthemen können somit auf ein einziges Konzept zurückgeführt werden: die hybris (griechisch: Übermut), kennzeichnend für die Barbaren und andere wilde Bevölkerungsgruppen, wird durch die Göttern (bzw. Griechen) bestraft.
In der frühchristlichen Zeit wurden die Nord-, Ost- und Westmetopen absichtlich verstümmelt. Die Explosion des Gebäudes im Jahre 1687 hat ausserdem die zentralen Platten der Langseiten stark beschädigt. Durch diese Ereignisse und die unregelmässige Aussetzung der Verwitterung ist der heutige Erhaltungszustand der Metopen sehr unterschiedlich.
© Skulpturhalle Basel 2010 (barmasse.org)
