Sammlung
«Skulptur des Monats» September 2005
Die sogenannte «Geneleos-Gruppe»
Original
Datierung: Um 560 v. Chr. Werk des Bildhauers Geneleos
Herkunft: Heraion von Samos
Standort: Samos, Vathy-Museum; Berlin, Antikensammlung Inv. 1739 (Ornithe)
Material: Marmor (Figuren) und lokaler poröser Kalkstein (Basis)
Länge: 595 cm
Abguss
Inv.-Nr.: 87-22; 89-26; 89-27 (SH 1458)
Herkunft: Werkstatt des Restaurators Vito Castellarin, San Giovanni di Casarsa (Pondernone/Italien)
Material: Gips, patiniert
Werkbetrachtung
Die ursprünglich sechsfigurige Votivgruppe hat der Bildhauer Geneleos um 560 v. Chr. im Auftrag eines Adeligen für das Heraheiligtum auf Samos gearbeitet. Eine der sechs Figuren – nämlich die zweite von rechts – kam wohl schon vor dem ersten Weltkrieg nach Berlin, die übrigen befinden sich auf Samos, wo sie – mit dem Abguss der Berliner Statue zusammen – auf der ursprünglichen Basis im Museum von Vathy ausgestellt sind.
Abbildung 1: Abguss der Geneleos-Gruppe in der Skulpturhalle.
Die vorhandenen Teile der Gruppe und die Basis wurden 1986 im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts abgeformt und im Abguss am ursprünglichen Ort im Heraion aufgestellt.
Die Geneleos-Gruppe ist die einzige mit der Basis zusammen erhaltene Gruppe aus der griechischen Frühzeit. Leider sind die Figuren allesamt unvollständig erhalten. Aber aus dem Erhaltenen und den Beischriften geht eindeutig hervor, dass die Gruppe ursprünglich eine sechsfigurige Familie darstellte: links aussen sitzt die Mutter Phileia, von der nur der Unterkörper vorhanden ist, und ganz rechts lagert der heute kopflose Vater und Stifter (Philarches?). Zwischen den Eltern standen die Kinder: Bis auf den Kopf erhalten sind die beiden an den Vater anschliessenden Mädchen – Ornithe (heute in Berlin) und Philippe. Neben der Mutter stand die kleinere Figur des einzigen Sohnes; von ihm erhielten sich der linke Fuss sowie ein Oberkörperfragment, auf dem noch der Rest einer Flöte erkennbar ist. Von der neben dem Sohn stehenden Figur, einer weiteren Tochter, erhielten sich lediglich kleinere Bruchstücke (insgesamt sechs an der Zahl); der Standort ist aber durch die Einlassung auf der Basis gesichert.
Abbildung 2: Rekonstruktionszeichnung. Die erhaltenen Partien sind grau hervorgehoben. (Nicht in unserem Abguss vorhanden sind die Fragmente der zweiten und dritten Figur).
Alle erhaltenen Figuren sind inschriftlich bezeichnet. Die Buchstaben sind teilweise stark verrieben und der Anfang des Vaternamens fehlt (-ilarches). Die Inschriften am Mantelsaum der Mutter und am Kissen des Vaters nennen den Bildhauer beziehungsweise den Stifter: «Uns hat Geneleos gemacht» sowie «Uns hat ...ilarches der Hera geweiht».
Die gelagerte Stellung des Vaters und das Attribut in seiner aufgestützten Linken (wohl ein Trinkhorn) deuten, wie auch die Flöte der Knabenfigur, den Vollzug eines kultischen Mahles im Heraheiligtum von Samos an. Christoph Löhr fasst die Funktion der Gruppe folgendermassen zusammen: «Dienst an der Gottheit, Kommunikation und Austausch mit anderen Adeligen sowie Repräsentation gehören zu den gesellschaftlichen Verpflichtungen der griechischen Aristokratie. Bei deren Erfüllung wurde die von Geneleos geschaffene Familiegruppe gezeigt».
Tomas Lochman
Auswahl an Literatur
© Skulpturhalle Basel 2010 (barmasse.org)
