März 2006: Der Schaber des Lysipp

Die sportliche Tätigkeit spielte bei den Griechen eine zentrale Rolle, sowohl im täglichen wie auch im kulturellen Leben. Die Ertüchtigung des eigenen Körpers durch Sport und Jagd zählte zu den Hauptbeschäftigungen eines Jünglings adliger Familien. Das Ziel sportlicher Betätigung war sowohl praktisch als auch ethisch bedingt: Die freien Bürger der griechischen Stadtstaaten mussten einerseits in der Lage sein, ihre Gemeinschaft vor allfälligen Feinden zu verteidigen, andererseits gehörte das gute Aussehen zu den Wesensmerkmalen einer moralischen Vollkommenheit. Nur die reichen Leute der Oberschicht, die nicht arbeiten mussten, hatten die Möglichkeit, solchen "unproduktiven" Tätigkeiten nachzugehen. Ausserdem war ihr Körper von Anstrengungen und Unterernährung verschont. Der adlige Jüngling musste deswegen "kalos kai agathos" ("schön und gut") sein, um seinen privilegierten Status zur Schau zu tragen. Aus diesem Grund sind die Athleten oft ein weit verbreitetes Thema in der griechischen Kunst. Der nackte männliche Körper erlaubte zudem den Künstlern ihre Fähigkeiten in der Nachahmung, ja Übertreffung der Natur unter Beweis zu stellen und so das Bild des idealen griechischen Mannes zu festigen.

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