Ausstellungen
«Antike im Kino»
Sonderausstellung vom 16. April bis 02. November 2008
Ausgangslage |
Chronologische Übersicht des Antikenfilms |
Ziel der Austellung |
Ausrichtung der Ausstellung |
Konzept der Ausstellung |
Katalog zur Ausstellung |
Rahmenprogramm zur Ausstellung |
Öffnungszeiten und Eintrittspreise |
Schulklassenprogramme |
Pressebereich (Passwort erforderlich)
Ausgangslage
Die Skulpturhalle präsentiert mit der Sonderausstellung «Antike im Kino» noch bis zum 2. November 2008 ihre neueste Sonderausstellung: Sie geht dem faszinierenden Nachleben der Antike im populären Medium Film nach. Der antike Monumentalfilm, oft auch etwas geringschätzig als «Sandalenfilm» (frz. péplum / engl. epic film) bezeichnet, erlebte zwei große Epochen. Die erste Phase begann mit der Entstehung des Kinos im Jahre 1895 und ebbte um 1920 aus; eine zweite Welle des Antikenfilms setzte nach dem Ende des II. Weltkriegs ein und erfasste in den späteren 50er und in der ersten Hälfte der 60er-Jahre massenhaft die Leinwände. Seit dem Publikumserfolg von Ridley SCOTTs Gladiator (USA, 2000) scheint das Interesse der Filmindustrie an Geschichten, die in der griechisch-römischen Antike spielen, erneut geweckt worden zu sein und sich ein neue Phase anzubahnen: nach Wolfgang PETERSENs Troy (USA, 2004) und Oliver STONEs Alexander (USA, 2005) war im letztjährigen Frühling das Schlachtenepos 300 (Der Kampf der Spartaner an den Thermopylen) zu sehen – und es kündigen sich weitere Antikenfilme an.
Die Antike scheint zu Beginn des 21. Jahrhunderts also wieder so populär geworden zu sein, dass sie erfolgreich kommerziell vermarktet werden kann. Doch – ist es die Antike, die populär ist? Populär sind zunächst die Filme, die mit Abenteuer und monumentalem Spektakel, mit männlichen Muskeln und weiblichen Dekolletees locken. Sie erzählen einfache Geschichten: tapfere Sklaven kämpfen für Gerechtigkeit gegen im Luxus schwelgende Ausbeuter, geniale Feldherren und Krieger erringen Sieg um Sieg und müssen sich zugleich gegen korrupte Politiker wehren, abgebrühte Römer erliegen dem Charme einer fremden Königin – die Figuren sind stereotyp und in einer orientalisch-exotischen, märchenhaften Vergangenheit situiert.
Weil es in erster Linie um Filme und erst sekundär um die Antike geht, vermochten die vielfältigen Kommentare das Phänomen des Antikenfilms nur unbefriedigend erfassen. Wissenschaftlich aufbereitet wurde das Thema erstmals anlässlich eines internationalen Kolloquiums auf Castelen bei Augst im September des Jahres 2005, zu dem Fachleute aus den Bereichen der Film- und der Altertumswissenschaften eingeladen wurden, um disziplinäre Kompetenzen zur interdisziplinären Arbeit zusammenzuführen. Konzept und Programm des Kolloquiums wurden von Tomas LOCHMAN (Skulpturhalle Basel), Thomas SPÄTH (Seminar für Alte Geschichte, Universität Basel) und von Adrian STÄHLI (Seminar für Klassische Archäologie, Universität Basel) in Zusammenarbeit mit Margrit TRÖHLER (Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich) erarbeitet. Die Akten liegen nun in der Ausstellungspublikation, die zur Ausstellung 2008 erschienen ist, vor.

Abb. 1: Filmstill aus Sergio Griecos «Salammbô» (Frankreich/Italien, 1959) mit Jeanne Valérie in der Titelrolle.
Chronologische Übersicht des Antikenfilms
Zwei Hauptperioden, zwei Zwischenphasen und eine Renaissance
Die erste Periode:
- Die Stummfilmzeit 1896–1927
Die unumstrittene Autorität, die die Antike noch im späten 19. Jh. und frühen 20 Jh. genoss, half das neue und damals noch «zweifelhafte» Medium Film zu legitimieren. Antike Stoffe wurden in ersten monumentalen Inszenierungen vielfach verfilmt, zunächst in Italien, dann auch in Amerika. Die allerersten Antikenfilme sind noch sehr kurze Sequenzen von unterschiedlicher Themenwahl, doch schon bald konstituierte sich die Gattung von Monumentalfilmen mit epischen Handlungen. Herausragend waren hier Pionierwerke wie Cabiria (Giovanni PASTRONE, Italien 1914), Intolerance (David W. GRIFFITH, USA 1916) oder die Ben Hur-Verfilmung von Fred NIBLO (USA 1925).
Die Zwischenperiode:
- Der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm ca. 1927 – ca. 1939
Die Ablösung des Stummfilms durch den neu aufkommenden Tonfilm bedeutete einen gewissen Rückschritt hinsichtlich Dramaturgie und Szenenablauf und auch einen Einschnitt für die Sandalenfilme, die weniger zahlreich produziert wurden. Eine Sonderstellung in dieser Zeit nimmt das Filmoeuvre des US-Amerikaners Cecil B. DEMILLE ein, der den Wechsel von der Stummfilm- zur Tonfilmära hervorragend meisterte. Sowohl seine Stummfilme (z. B. King of Kings, 1927) wie auch die Tonfilme (z. B. Cleopatra, 1934) sind Marksteine nicht nur für den Antikenfilm sondern auch für die Filmgeschichte überhaupt.
Die zweite Periode:
- Die Golden Ages der «Sandalenfilme» 1945–1968
Nach dem II. Weltkrieg wurden Antikenfilme sowohl in den USA wie auch in Europa (Italien) wieder ein Thema. Die ersten Filme dieser Art waren DEMILLEs Samson and Delilah und Alessandro BLASETTIs Fabiola (beide aus dem Jahre 1949). Diese Wiederaufnahme der Antikenverfilmungen hatte in den späten 50ern und frühen 60ern in Hollywood einen richtiggehenden Boom von monumentalen Ausstattungsfilmen zur Folge, der mit Ben Hur (William WYLER, USA 1959) einen ersten Großerfolg verzeichnete und mit Cleopatra (Joseph L. MANKIEWICZ, USA 1963) den Höhepunkt erreichte. Diesem Monumentalepos, der die Produktionsgesellschaft 20th Century Fox fast in den Ruin trieb, folgte ein Jahr später mit dem Film The Fall of the Roman Empire (Anthony MANN, USA 1964) gleich auch das einstweilige Ende des antiken Kolossalfilms.
In Italien wurden in dieser Zeit, noch zahlreicher als in Amerika, eine dichte Reihe von weniger aufwendig produzierten Sandalenfilme gedreht, in denen sich vor allem muskulöse Bodybuilder wie Steve REEVES, Reg PARK, Alan STEEL und viele andere hervortaten und antike (Hercules), biblische (Samson) oder neu erfundene Heroen (Maciste, Ursus) zu heldenhaften Kunstfiguren stilisierten. Bahnbrechend war Pietro FRANCISCIs Film Le fatiche di Ercole («Die Taten des Herkules») von 1958 mit Steve REEVES in der Hauptrolle. Die italienischen Sandalenfilme erfreuten sich bis zur Mitte der 60er Jahre einer konstanten Präsenz in den Kinos, bis sich auch hier das Genre erschöpfte.
Die mageren Zwischenjahre:
- «Trash Movies» 1968 – ca. 1990
Seit 1968 vermochte nur noch die ‹dekadente› Seite der Antike und zweifelhafte ‹Persönlichkeiten› (allem voran die Kaiser Caligula und Nero) Filmproduzenten zu inspirieren. Die sexuelle Befreiung der 68er-Generation machte sex and crime zum übergeordneten Thema aller seit 1968 gedrehten «Antikenfilme», die erst noch in höchst billiger Aufmachung gedreht wurden, sieht man vom Bob GUCCIONEs aufwendigen Machwerk Caligula (Tinto BRASS, USA/Italien, 1979) ab. Einige dieser B-Movies erreichten dennoch Kultstatus. Einzige Ausnahme, die sich vom Trash kunstvoll abhebt, ist FELLINIs Satyricon (Italien, 1969).
Die neue Phase des Antikenfilms?
- Die aktuellsten Filme: ab 2000
In den 90er Jahren sind keine Antikenfilme fürs Kino produziert worden, bis mit Ridley SCOTTs Gladiator (USA, 2000) ein Neo-Antikenfilm überraschende Furore machte und dem Sandalenfilm zu einer unerwarteten Renaissance verhalf. Andere Filme folgten (z. B. Troy, von Wolfgang PETERSEN, USA 2004 oder 300 von Zack SNYDER, USA 2007) bzw. sind in Vorbereitung.

Abb. 2: Aushangfoto zu Cecil Blount DeMilles Film «Samson und Dalila» (USA, 1949) mit Victor Mature und Hedy Lamar.
Ziel der Austellung
Die Ausstellung möchte den Antikenfilm als kulturelles Phänomen historisch erfassen und dessen Schwerpunkte, Eigenheiten, Bildkonventionen, usw. dokumentieren. Welche Themen sind wann bevorzugt gewesen und welche überhaupt nicht? Welche Wahrheiten, welche Klischees, ja ‹Lügen› werden vermittelt? Offensichtlich antworten die Antikenfilme und die durch sie vermittelten Bilder des Altertums auf ästhetische Erwartungen ihrer jeweiligen Produktionsepoche. Auf der anderen Seite prägen die Filme die Vorstellungen über antike Kulturen bei einem Massenpublikum auf nachhaltige Weise.

Abb. 3: F. Fellinis «Satyricon» (Italien, 1968).
Ausrichtung der Ausstellung
Begünstigt durch die Tatsache, dass Antikenfilme ein populärkulturelles Phänomen darstellen, richtet sich die Ausstellung insbesondere an ein jugendliches Publikum – um ihm die (ungebrochene) Aktualität und Bedeutung der Antike aufzuzeigen –, aber auch an die ältere Generation, die sich in den 1950er und 60er Jahren in den Kinosälen mit Sandalenfilmen amüsierte. Damit versteht sich das Projekt «Antike im Kino» als ein weiterer Schritt in der Neuorientierung der Basler Skulpturhalle, die anhand populärer Medien der Gegenwart Themen über und zur klassischen Antike aus dem Elfenbeinturm der wissenschaftlichen Fachkreise hinaustragen und einer breiteren Öffentlichkeit zur Diskussion stellen möchte.

Abb. 1: Filmstill aus Sergio Griecos «Salammbô» (Frankreich/Italien, 1959). Blick auf Mykene.
Konzept der Ausstellung
Die Ausstellung präsentiert eine beredte Auswahl von Filmausschnitten und Filmplakaten. In insgesamt zehn Monitorenstationen wird die chronologische Entwicklung des Antikenfilms skizziert und eine thematisch aufgegliederte Übersicht vermittelt. Dabei werden Szenen, die Filmgeschichte geschrieben haben (wie beispielsweise das Wagenrennen in Ben-Hur), ebenso gezeigt wie einige skurrile Ausschnitte aus kaum bekannten Filmen. Zum überwiegenden Teil sind aber vor allem repräsentative und einschlägige Szenen ausgesucht worden, die für die Gattung des Peplums wie auch für die jeweiligen Produktionszeiten (hier vor allem die 60er Jahre) typisch und bezeichnend sind. Die Vorführstationen sind die folgenden:
- Stummfilmzeit (1896–1927) [insg. 5 Szenen]
- Übergangszeit (1927–1939) und die ‹Golden Ages› (1949–1964) [insg. 9 Szenen]
- Die Romanverfilmungen The Last Days of Pompeii, Ben-Hur und Quo vadis [insg. 6 Szenen]
- Ausstattungen (Architektur, Skulptur, Untergänge) [insg. 23 Szenen]
- Klischees [insg. 35 Szenen]
- Gewalt [insg. 21 Szenen]
- Geschichte [insg. 20 Szenen]
- Antike Literatur (Homer und Euripides) [insg. 18 Szenen]
- Mythologie [insg. 24 Szenen]
- Körperwelten [insg. 20 Szenen]
Insgesamt bieten die Stationen 180 Szenen aus 105 verschiedenen Filmen bei einer Gesamtlaufzeit (alle Szenen zusammengerechnet) von rund 10 1/2 Stunden. Daneben präsentiert die Ausstellung eine Reihe historischer Filmplakate aus dem reichen Fundus der Cinémathèque suisse in Lausanne und der eigenen Sammlung: insgesamt 80 Plakate von der Jugendstilzeit bis zu den 70er Jahren, daneben auch Aushangfotos, diverse Memorabilia sowie passende Abgüsse aus der Sammlung der Skulpturhalle. Zweisprachige Texttafeln führen in die jeweiligen Monitorstationen ein: Es sind die gleichen Texte, die auch im Einführungsteil des Kataloges nachzuschlagen sind, ergänzt um das Verzeichnis der auf dem jeweiligen Monitor laufenden Filmsequenzen.
Katalog
Zur Ausstellung erschien ein reichhaltiger Katalog: Tomas LOCHMAN u.a., Antike im Kino – Auf dem Weg zu einer Kulturgeschichte des Antikenfilms, Teil I: Begleittexte zur gleichnamigen Sonderausstellung der Skulpturhalle; Teil II: Akten des gleichnamigen Kolloquiums auf Castelen / Augst bei Basel, 20.-22. September 2005, Basel 2008 (ISBN 978-3-905057-25-6), erschienen im Verlag der Skulpturhalle Basel.
Der broschierte Band im Format 24x30 umfasst 268 Seiten mit 230 Abbildungen und ist für 48.- CHF an der Museumskasse oder im Shop der Skulpturhalle erhältlich. Als speziellen Service bietet Ihnen die Skulpturhalle Basel hier einige Leseproben an:
- Katalog «Antike im Kino» – Leseprobe
- Catalogue «Antiquité au cinéma» – traductions françaises des textes introductifs (le péplum et ses sujets)
- Catalogue «Antiquité au cinéma» – traductions françaises des textes introductifs (le péplum et ses phases)
Rahmenprogramm zur Ausstellung
Offizieller Festakt: Montag, 26. Mai 2008, 18.00 Uhr
Führungen
- Führung durch die Ausstellung (mit Tomas Lochman)
Mittwoch, 04. Juni 2008, 18.15 Uhr - Führung durch die Ausstellung (mit Tomas Lochman)
Dienstag, 24. Juni 2008, 18.15 Uhr
Filmfestival im Theater Augusta Raurica «Antikenfilme zwischen Trash und Glory» (in Zusammenarbeit mit: kulturelles.bl)
- «Cleopatra» (Joseph L. Mankiewicz, USA 1963)
Freitag 08. August 2008, 20.30 Uhr - «Felllini Satyricon» (Federico Fellini, Italien 1969)
Samstag 09. August 2008, 20.30 Uhr - «Quo vadis?» (Mervyn LeRoy, USA 1951)
Sonntag 10. August 2008, 20.30 Uhr
Vorträge
- «Blondinen, Brünetten & Bodybuilder» – Eine Einführung in den italienischen Sandalenfilm der 60er-Jahre
Tomas Lochman
Freitag, 10. Oktober 2008, 18.15 Uhr - «Mit kritischem Blick durch die Film-Antike» – Ein Filmquiz über amüsante Fehler
Anna Laschinger und Tomas Lochman
Dienstag, 21. Oktober 2008, , 18.15 Uhr
Filmabend im Stadtkino Basel (Theaterplatz): «Babel und Babylon. Biblische und antike Stoffe im frühesten Stummfilm» mit Klavierbegleitung (Günter A. Buchwald) und Einführung (Dr. Regina Heilmann). Folgende Filme kommen zur Aufführung:
- Samson et Dalila (F. Zecca, F, 1902) 3 min
- Daniel dans la fosse aux lions (L. Feuillade, F, 1905) 2 min
- Giuditta e Oloferne (I, 1908) 4 min
- La mort de Cambyse (F, 1909) 8 min
- Sémiramis (C. de Morlhon, F, 1910) 8 min
- Le festin de Balthasar (L. Feuillade, F, 1910) 7 min
- La vergine di Babilonia (L. Maggi, I, 1910) 8 min
- La regina di Ninive (L. Maggi, I, 1911) 11 min
Zeit: Donnerstag, 16. Oktober 2008, 21.00 Uhr
Eintrittspreis: Fr 20.–
«Peplum» – Werke von Bernard Latuner
Vom 02. September bis 02. November 2008
Ergänzung zur Ausstellung «Antike im Kino»
Der in Mülhausen/Elsass lebende Maler stellt seine Gemäde und Figuren aus, in denen er Motive und Bilder aus Antikenfilmen zitiert, um sie mit zeitgenössischen Krieg- und Alltagsbildern zu konfrontieren. Latuner hinterfragt auf ironische Weise alte und moderne Verhaltensmuster und Heroen-Ideologien und nimmt den Einfluss glamouröser Formen im modernen Alltag auf die Schippe.
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Dienstag bis Freitag: 10.00–17.00 Uhr
Samstag und Sonntag: 11.00–17.00 Uhr
Montags und an Feiertagen geschlossen.
Für die Sonderausstellung wird ein Eintritt in Höhe von sFr. 7.– / 5.– erhoben.
Freier Eintritt mit gültigen Museumspässen.
Schulklassenprogramme
Führungen auf Wunsch. Für Mittel- und Oberstufenlehrer liegen Fragebogen auf (in deutschen und französischen Versionen), die an die Schulstufen der 12–15 jährigen und der 16–18 jährigen Schüler angepasst sind. Aus Rücksicht auf interessierte Schulklassen aus dem Elsass und auf frankophone Besucher ist die gesamte Ausstellung zweisprachig gehalten (französisch und deutsch).
Als speziellen Service bietet Ihnen die Skulpturhalle Basel hier einen Fragebogen für Schulklassen an:
© Skulpturhalle Basel 2010 (barmasse.org)
