Der Parthenon in Basel
Zur Neueinrichtung der Ausstellung
Der Parthenon in Athen ist vielleicht das bedeutendste Bauwerk der Antike. Dieser in der Zeit des Perikles auf der Akropolis errichtete Tempel der Athena hat in den bald 2500 Jahren seiner Geschichte wechselvolle Schicksale erlebt. In den letzten Jahrhunderten hat er durch Krieg, Witterungseinflüsse und Abtragungen so gelitten, dass er nunmehr als eindrucksvolle Ruine erlebt werde kann. Der grösste Teil der erhaltenen Skulpturen und Reliefs wurde in verschiedene Museen der Welt verstreut. Die bedeutendsten Stücke kamen schon um 1800 durch Lord Elgin nach England – die berühmten Elgin Marbles des Britischen Museums. Die in Athen verbliebenen Bauteile sind im 20. Jh. im Original vom Bau abgelöst und ins Akropolis-Museum deponiert worden.

Abbildung 1: Alte Aufstellung des Basler Parthenon.
Zwischen 1969 und 1986 liess Ernst Berger (1928–2006), der frühere Direktor des Basler Antikenmuseums und der Skulpturhalle, von allen erhaltenen und weltweit verstreuten Fragmenten der Parthenonskulpturen Abgüsse herstellen, um sie in Gips wiederzuvereinen. Die Skulpturhalle ist somit zum einzigen Ort auf der Welt geworden, an dem man den überlieferten Bauschmuck dieses Tempels vollständig überblicken kann.
Bei den Rekonstruktionen von Ernst Berger standen ästhetische Qualitäten nicht im Vordergrund des Interesses. Es ging vielmehr darum, die ursprünglichen Zusammenhänge, das Konzept des Gesamtkunstwerkes, sehr viel besser zu veranschaulichen als vor dem isolierten Fragment im Museum. Die Lücken in den Friesen wie auch die verlorenen oder abgebrochenen Figuren der Giebel wurden in Styropor ergänzt. Dabei stand der Basler Bildhauer Ludwig Stocker unterstützend zur Seite.

Abbildung 2: Neue Aufstellung des Basler Parthenon (Photo: Andreas Voegelin).
Die gewaltigen Ausmasse des den Bau durchgehend verzierenden Bauschmucks erlauben keine der ursprünglichen Anbringung entsprechende Auseinanderbreitung der Skulpturen. Die Giebel, die Friese der Schmalseiten und die noch erhaltenen Metopen sind im linken Drittel der Halle gedrängt nebeneinandergereiht. Die beiden Giebel stehen Rücken an Rücken, die entsprechenden Ost- und Westmetopen sind an den Sockeln angebracht und zur Veranschaulichung der ursprünglichen Reihung wurden Triglyphen aus Styropor angefügt. Die Metopen der Langseiten (Süd und Nord) sind an der roten Wand gegenüber dem Westgiebel aufgehängt, aus Platzgründen jedoch ohne Berücksichtigung der Triglyphenabstände und der Lücken der verlorenen Metopen. Die Friese der Schmalseiten (Ost und West) sind gegenüber dem Ostgiebel an der Zwischenwand montiert. Die Langseiten bleiben infolge Raummangel (sie betragen zwei Mal fast 60 Meter) im Untergeschoss ausgestellt.
Den Zusammenhang des Bauschmucks mit dem gesamten Architekturkörper verdeutlicht auch ein Rekonstruktionsmodell des Tempels im Massstab 1:20.
Mit diesem einmaligen Projekt besitzt die Skulpturhalle eine Besonderheit, die der Sammlung zum internationalen Rang verholfen hat.
© Skulpturhalle Basel 2008 (barmasse.org)
